"Die ganze Welt ist eine Bühne...“ schrieb Shakespeare.

 

„Das Theater ist so alt wie die Menschheit. Es hat sie in seinen Urformen von Anbeginn begleitet. Die Verwandlung in ein anderes Ich gehört zu den Archetypen menschlicher Äußerungen. Sie reicht von der Jagdpantomime der Eiszeitvölker bis zu den differenzierten Spielkategorien des modernen Theaters.“ (M. Bertold)

Theater erzählt Geschichten, Geschichten aus dem Leben. Dabei kann es nicht nur die Realität abbilden, sondern auch weitere Ebenen mit einbeziehen sowie Wunschbilder entwerfen. Ästhetisch und inhaltlich erhalten Regisseure und Darsteller die Chance, Ausdrucksformen für ihre Welt, die Beziehungen darin sowie die Wirklichkeit überwindende Traumbilder zu gestalten.

Dies bietet nicht nur die Möglichkeit sich mit unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen zu beschäftigen, gleichwohl wird das soziale Lernen angeregt. Wie und warum verhalten sich Charaktere in einer bestimmten Art? Was würde passieren, wenn sie sich anders verhalten würden? Und wie bringen sie ihre Gefühle und Gedanken zum Ausdruck, sodass sie verstanden werden? Ob anhand von bereits existierenden Stücken oder selbstentwickelten Szenen, Theater bietet die Beschäftigung mit sozialer Interaktion in ihrer Komplexität an. Verstand, Gefühl und Körperlichkeit sind gleichermaßen angesprochen . So ist es nicht verwunderlich, dass Schulen, die verstärkt gefordert sind, auch die Persönlichkeitsbildung ihrer Schützlinge zu übernehmen, Theater neu für sich entdecken und das Angebot erweitern. Es wurde festgestellt,  „dass das Theaterspiel eines der machtvollsten Bildungsmittel ist, die wir haben: ein Mittel, die eigene Person zu überschreiten, ein Mittel der Erkundung von Menschen und Schicksalen und ein Mittel der Gestaltung der so gewonnenen Einsicht. (Hartmut von Bentig, Bildung, München 1996, S.119) Dabei integriert Theater viele andere Disziplinen:  Sprache,Musik, Tanz, bildende Kunst, Medien. Welches andere Schulfach bildet eine ähnliche inhaltliche und kulturelle Komplexität und genuine Interdisziplinarität?

An der Pestalozzi Realschule hat Theater schon immer einen besonderen Stellenwert gehabt. In den letzten Jahren wurden die Angebote erweitert und nehmen mittlerweile einen wichtigen Platz in unserem auf Ganzheitlichkeit (Kopf, Herz, Hand) ausgerichteten Konzept ein. Dabei versuchen wir beiden Aspekten des Theaters, dem ästhetischen und dem sozialen, in gleicher Weise nachzukommen. Zudem werden die Projekte in den Schulablauf integriert und mit den Fächern Deutsch, Musik und Kunst kombiniert.

Wichtig ist uns dabei, dass folgende überfachliche Kompetenzen vermittelt werden:

  •  Kreativität
  • Problemlösungsfähigkeit
  • Empathie
  • Teamfähigkeit
  • Selbstvertrauen
  • Respekt
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Verantwortungsbereitschaft
  • Ambiguitätstoleranz

Überblick über die klasseninternen Theaterprojekte:

Klasse 5

1 x wöchentlich 45 Minuten im Ganztagsbereich

Für alle: Pro Halbjahr: ein theaterpädagogischer Tag mit Theaterbesuch und anschließender               theaterpädagogischer Nachbereitung

Anknüpfend an die Spielfreude der Kinder, ihren Bewegungsdrang und möglicher Erfahrungen mit dem Theaterspiel aus der Grundschule laden wir sie ein, neue theatrale Erfahrungen zu machen. Spielerich führen wir sie an die Grundlagen von Theater heran -in Improvisation und kleinen Szenen können sie sich ausprobieren, in verschiedene Rollen schlüpfen, eigene Ideen zu einer Geschichte formen, einfache ästhetische Mittel erlernen. Im Vordergrund steht der Spaß am Spiel.

An den theaterpädagogischen Tagen besuchen wir morgens eine geeignete Schülervorstellung eines Münchner Theaters. Am Nachmittag arbeiten wir anhand der Geschichte und/oder des Themas eigene Szenen dazu und versuchen so das Gesehene noch besser zu verstehen.

 

Klasse 6

1x wöchentlich einen Nachmittag mit 90 Minuten

An den Nachmittagen beschäftigen wir uns mittels theaterpädagogischer Methoden mit sozialen Interaktionen, untersuchen die Wirkung unterschiedlichen Handelns und entwickeln alternative Handlungsweisen. Dabei erhalten die Kinder die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu artikulieren und darzustellen, ihre Handlungskompetenzen zu erweitern und sich selbst in der Interaktion mit anderen zu erleben. Zudem erlernen sie die Fähigkeit zum konstruktiven Feedback sowie einen angemessenen Umgang mit Kritik.

Im Musiktheaterprojekt können die Kinder ihre musikalischen, erzählerischen und darstellerischen Fähigkeiten ausprobieren. Ausgehend von ihren Ideen entwickeln wir ein kleines Stück, das beim Sommerfest aufgeführt wird. Zwei bis drei Lieder werden in eine Rahmengeschichte integriert, die die Kinder durch Assoziationen und Improvisationen entwickeln. Hierbei schärfen sie ihre Fähigkeit, in Gruppen Impulse zu geben und ebenso Impulse anderer aufzunehmen. Sie erleben, wie aus einer Idee ein fertiges Stück wird, welche Schritte dazu notwendig sind und dass es Ausdauer und Disziplin bedarf, um zum Ziel zu kommen. Gleichzeitig können der bewusste Einsatz von Mimik, Gestik, Stimme, Haltung und Bewegung zur Darstellung von Charakteren vermittelt werden.

Klasse 7

Die anderen und ich - was im Leben wichtig ist! 

Theaterpädagogische Woche in einem Landschulheim / 4 Deutschstunden/ 4 Musikstunden /Projekttage

 Wer bin ich? Wer sind die anderen? In der Übergangsphase vom Kind zum Jugendlichen stellt dies eine zentrale Frage dar. Der Einfluss der Peergroup überschattet die bisher gelernten Werte und Gewohnheiten. Die Schüler versuchen sich im Zusammenspiel mit den anderen neu zu definieren. Dieser Prozess ist von Unsicherheiten und Auseinandersetzungen geprägt. In der theaterpädagogischen Arbeit möchten wir auf diese Entwicklung eingehen und die Schüler mit Handlungskompetenzen stärken. Anhand von selbstentwickelten Szenen erarbeiten wir Möglichkeiten des Selbstausdrucks, die zu Selbstbehauptung und Abgrenzung sowie der Fähigkeit, andere zu respektieren ohne dabei seine eigenen Werte aufgeben zu müssen, befähigen. Ebenso überlegen wir, welche Werte allen wichtig sind und wie sie soziale Interaktionen beeinflussen. Das jeweilige Jahresthema wird in diese Auseinandersetzung integriert.

 

Klasse 8

Erarbeitung eines Klassikers

Projekt über 3 theaterpädagogische Nachmittage, 6 Wochen im Rahmen des Deutsch- und Musikunterrichts sowie einer Woche Theaterfahrt und Endproben

Im Deutschlehrplan der 8.Klasse ist das Thema Sturm und Drang verankert. Wir nähern uns einem zunächst sperrig wirkenden, sprachlich schwer verständlichen und mit der eigenen Lebenswelt vordergründig wenig gemeinsam habenden Stück aus dieser Epoche mit Improvisationen und Betrachtungen zu den Figuren. Ebenso im Spiel untersuchen wir Wege, uns die Sprache verständlich und spielbar zu machen. Die Inhalte des anfangs so fremd wirkenden Stückes werden immer klarer, die Beweggründe der einzelnen Charaktere nachvollziehbar, ein scheinbar unlösbares Problem wird in mehreren Schritten gelöst, Geschichte und Darstellungsformen nehmen im Laufe der Auseinandersetzung Gestalt an. Die Schüler lernen Empathie, Verantwortungsbereitschaft, Problemlösungs- und Teamfähigkeit. Gleichzeitig erwerben sie Kenntnisse über ästhetische Mittel.

Den Höhepunkt bildet die Aufführung, bei der die Schüler zeigen können, wie sehr sie das Stück zu ihrem eigenen gemacht haben ohne dabei die Sprache verändern zu müssen.

Die theatrale Beschäftigung wird in schriftlichen Zusammenfassungen, Rollenbeschreibungen und Schilderungen festgehalten. Im Musikunterricht werden musikalische Elemente für das Stück erarbeitet. Plakat und Bühnenbild werden im Kunstunterricht erstellt. Das Projekt ersetzt eine Schulaufgabe im Unterrichtsfach Deutsch.

 

Klasse 9 und 10

Eventuell: Klasse 9 und 10 - Besuch eines Theaters - Vor- und Nachbesprechung des Stückes

Wer sich darüber hinaus noch weiter mit Theater beschäftigen will, kann die Theater AG besuchen. Alle Theaterangebote werden von Frau Weber geleitet, die auf eine langjährige Erfahrung als Regisseurin und Theaterpädagogin zurückblicken kann.

Wahlangebote:

Klasse 5 - 10 : Theater AG ( 1x wöchentlich 90 Minuten, 4 Tage Theaterfahrt, 1 Woche Endproben)

Ziel ist es am Ende des Schuljahres eine Aufführung eines bereits existierenden Stückes zu realisieren.